Arbeitslose als Tombola-Gewinn

Diese Aktion ist nicht nur blöd, sondern auch hochgradig menschenverachtend. Ein privater Bildungsträger hat auf einem Weihnachtsmarkt die Arbeitskraft älterer arbeitsloser Menschen verlost, wie der Spiegel weiß. Als Krönung mussten einige der verlosten Arbeitslosen auch noch für eine Aufführung auf besagtem Weihnachtsmarkt herhalten. Eigentlich sollte der Träger in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Jobcenter die Integration älterer Arbeitsloser übernehmen. Der Anbieter betont, dass die Betroffenen ihre Arbeitskraft freiwillig zur Verfügung gestellt hätten. Und auch das Jobcenter hat offenbar keine Probleme mit der Aktion. Die Verlosung sei „ein innovativer Ansatz mit Arbeitgebern in Kontakt zu treten“.

Auch wenn die betroffenen Arbeitslosen – wahrscheinlich aus purer Verzweiflung – die Aktion teilweise als Chance aufgefasst haben, bin ich der Meinung, dass so etwas gar nicht geht. Menschen sind keine Gewinne, die man verlosen kann. Mit menschenwürdiger Behandlung und Vermittlung arbeitsloser Menschen hat das nichts zu tun. Dass die Aktion von mindestens einem Betrieb, der auf diese Weise einen Arbeitslosen „gewonnen“ hat, nun ancheinend dazu genutzt wird, die Betroffenen mittels eines unbezahlten Praktikums auszubeuten, anstatt ihm eine bezahlte Arbeitsstelle zu geben – was das Ziel einer jeden Arbeitsvermittlung sein sollte – kommt verschärfend hinzu. Umso erschreckender ist, dass das zuständige Jobcenter die Aktion anscheinend völlig in Ordnung findet. Ich finde das nicht mehr in Ordnung. Ich finde das nicht mal mehr blöd. In meinen Augen ist das nur noch erschreckend.

Update vom 24. 01. 2013: Die rheinland-pfälzische FDP setzte dem Zynismus nun noch die Krone auf, indem sie die Aktion als „Verzweiflungstat“ und „Hilfeschrei“ des Jobcenters bezeichnete. Der Vorsitzende der Landes-FDP Wissing gab zum Besten: „“Auch wenn die Aktion auf den ersten Blick seltsam und fragwürdig erscheinen mag, so steht doch außer Zweifel, dass die Agentur dies vor allem getan hat, um Arbeitslose zu Lohn und Brot zu verhelfen.“ Alles klar, Herr Wissing, deswegen wurden die Arbeitskräfte ja auch für Arbeiten ohne Entgelt verlost…

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3 Responses to Arbeitslose als Tombola-Gewinn

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